Nicolas Leuenberger
05.06.2019
Lesedauer: 3min

Podcasts einfacher finden

Spannende News von den zwei grössten Playern der Podcast-Welt, Apple und Spotify. Beide packen das zentrale Problem an, das viele Podcast-Machende, aber auch Hörerinnen und Hörer plagt: Neue Podcasts zu finden, die dem eigenen Geschmack entsprechen.

 Die Nadel im Heuhaufen

Die Nadel im Heuhaufen ist heutzutage fast einfacher zu finden als ein passender Podcast im ganzen Angebot. Bei Apple tummeln sich 700'000 Podcasts! Davon hört eine Hörerin einen oder zwei, weil sie sie von Freunden empfohlen erhalten hat oder weil sie Artikel liest wie "Sechs Audio-Perlen aus Zürich, die man gehört haben muss" der NZZ. Aber was ist, wenn sie Turicana, Tisch frei und abverheit durchgehört hat? Dann braucht sie mehr Stoff!

Sie findet dann vielleicht die Auflistung von 100 Schweizer Podcasts auf der Website des Podcast Club Switzerland. Aber vielleicht möchte sie auch mal ausländische Podcasts ausprobieren. Aus ihrem Themenbereich, ihrer Bubble ausbrechen. Was dann?

Rettung naht

Spotify und Apple beantworten diese Frage praktisch gleichzeitig, aber unterschiedlich. Spotify setzt auf menschliche Kuratoren. Sie stellen Listen zusammen wie "Comedy", "True Crime", "Geek Culture", Walking (Motivational)" oder "Relaxing (Mindfulness)". Getestet werden diese Listen laut The Verge vorerst in den USA, Grossbritannien, Kanada, Mexiko, Schweden, Kolumbien, Chile und Argentinien. Ich sehe in dieser Liste bereits drei verschiedene Sprachen, also dürfte Deutsch auch folgen, sobald der Test erfolgreich verläuft. Die kuratierten Podcast-Listen sehen derzeit nämlich nur rund 5% der Userinnen und User. Ihr Verhalten und Feedback wird Spotify dazu nutzen, das Feature zu verbessern.

Algorithmus vs. Mensch

Den technischeren Weg beschreitet Apple. An der Entwicklerkonferenz WWDC gab Apple Anfang Woche bekannt, iTunes in Rente zu schicken und durch drei verschiedene, eigenständige Programm zu ersetzen - unter anderem Apple Podcasts für macOS (und eines Tages wohl auch Windows). Die Dreiteilung wird die Programme entschlacken und schlagkräftiger machen. So sieht die neue Podcast-App aus:

apple

Zwei schöne Features: Erstens wird die App den Hörfortschritt von Mac und iPhone synchronisieren. Zweitens wird Apple aber im Hintergrund Podcasts transkribieren und so ihren Inhalt analysieren. Mittels Machine Learning kann Apple den Podcast-Fans, die nach einer Binge-Listening-Session mit allem Material durch sind, massgeschneiderten Nachschub liefern.

Beide Wege führen zum Ziel - hoffentlich

Menschliche Listen oder Algorithmen - beides klingt gut, muss sich im Alltag aber noch bewähren. Ein paar offene Fragen:

  • Wie viele unterschiedliche Listen schaffen die Spotify-Kuratorinnen zu erstellen?
  • Wie gehen die Kuratoren mit den völlig verschiedenen Längen und Stilen von Podcast-Episoden um?
  • Leidet die Vielfalt, wenn plötzlich sehr viele Hörer dieselben Podcasts hören, während Titel untergehen, die auf keiner Playlist stehen?
  • Wie gut indexiert der Apple-Algorithmus Podcasts in ausgefallenen Sprachen? *räusper* Schweizerdeutsch
  • Welche Auswirkungen hat dieses Indexieren auf Podcast-Macherinnen und -Macher? Beginnen sie dann, ihre Moderationstexte nach SEO-Stil zu optimieren? Auch Google will Podcasts ja durchsuchbar machen.

Insgesamt freut es mich sehr, dass die beiden wichtigsten Player Podcasts auffindbarer machen wollen. Denn es gibt so viele Perlen da draussen, die noch viel öfters gehört werden sollten!

Portrait Finnland klein

Autor

Nicolas Leuenberger

Ich bin leidenschaftlicher Geschichten-Erzähler mit 10 Jahren Radioerfahrung. In meiner Podcast-Schmiede heize ich Geschichten auf 1000° und schmiede daraus Einzelstücke.