Peter Hanselmann
12.03.2021
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Studien

Jede Menge Podcasts, doch wie viele hören eigentlich zu?

Wenn in einem Wald ein Baum umfällt und niemand hört es, gibt es dann ein Geräusch? Seit der Antike beschäftigen sich Philosophen mit dieser Frage. Die Antwort ist nicht einfach, und je nach philosophischem Weltbild mal so, mal anders. Stellen wir die Frage in Bezug auf Podcasts, wird schnell klar: Podcasts müssen gehört werden, denn zum Hören wurden sie produziert. Und sie werden gehört.

Jedes Jahr im Frühling schlagen nicht nur die Bäume aus, nein, auch jedes Jahr im Frühling wird der «Infinite Dial», eine Studie zur digitalen Mediennutzung der US-Amerikanerinnen und Amerikaner, veröffentlicht. Für den «Infinite Dial» befragt das US-Medien-Forschungszentrum Edison Research jedes Jahr Personen, die älter als 12 Jahre alt sind, über ihr digitales Mediennutzungsverhalten. Seit 2006 werden in der Studie auch die Podcasthörer*innen erfasst.

Zahl der Podcasthörer*innen steigt Jahr für Jahr

Damals, 2006, lebten Podcasts ein Leben als Nischenprodukt. Gerade 22% der befragten Amerikaner*innen gaben an, dass sie Podcasts kennen. Das ist heute, 15 Jahre später, ganz anders: Im «Infinite Dial 2021», der am 11. März 2021 veröffentlicht wurde, gaben 78% der befragten Personen an, dass sie mit Podcasts vertraut sind. Diese Zahl steigt jedes Jahr und ist auch in diesem Jahr wieder höher geworden im Vergleich zum Jahr 2020.

Doch nur weil man Podcasts kennt, heisst das noch lange nicht, dass man auch welche hört. Laut dem «Infinite Dial 2021» gaben im letzten Jahr 162 Millionen US-Amerikanerinnen und Amerikaner an, mindestens einmal einen Podcast gehört zu haben. Das sind 57% Prozent der über 12-Jährigen. Auch diese Zahl ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 2 Prozentpunkte. 

Und es gibt noch mehr Zahlen, die nach oben zeigen

41% aller Befragten gaben an, monatlich Podcasts zu hören, das sind 4 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. Besonders stark stieg diese Zahl aber bei den unter 35-Jährigen. 56%, also über die Hälfte, hört monatlich Podcasts. Vor einem Jahr waren es noch 49%, etwas weniger als die Hälfte. Und auch bei den über 55-Jährigen gab es eine Steigerung von 22 auf 26 Prozent. Bei den Altersgruppe der 35 - 54-Jährigen stagnierte die Zahl, 39% hören monatlich Podcasts.

Auch eine Steigerung gibt es bei den Menschen, die wöchentlich Podcasts hören. 28% der befragten US-Amerikanerinnen und Amerikaner gaben an, dass sie wöchentlich Podcasts hören. Dabei zeigt sich, dass Menschen, die wöchentlich Podcasts hören, nicht nur einen, sondern mehrere Podcasts hören.

Und es sind nicht nur 8 verschiedene Podcasts, also zum Beispiel acht Episoden eines Podcasts, sondern es sind auch etwas über fünf verschiedene Shows. «The Infinite Dial 2021» kommt zum Schluss, dass Podcasting stark zugenommen hat, vor allem bei den wöchentlichen Hörern.

Und in der Schweiz?

Zwar ist der Podcast-Markt in der Schweiz noch wenig erforscht, Studien, die das Hör- und Konsumverhalten der Podcast-Nutzer*innen aufzeigen, sind rar. Die wenigen Studien, die es gibt, zeigen aber: Podcasts werden immer beliebter und immer häufiger gehört. 

2019 veröffentlichte das Schweizer Radio und Fernsehen SRF eine entsprechende Studie, in der man Radiohörer*innen mit Podcasthörer*innen verglich. Die Studie kam zum Schluss, dass Podcasts vor allem beim jungen Publikum Anklang finden. Konkret hörten damals 20% der unter 30-jährigen Deutschschweizer*innen wöchentlich Podcasts. Bei den unter 45-jährigen waren es immerhin noch 15%. Rund 30% in beiden Alterskategorien gaben an, wenigstens einmal im Monat Podcasts zu hören. 

Ähnliche Zahlen, die für die ganze Schweiz gelten, veröffentlichte im Jahr 2019 auch das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft  der Universität Zürich, kurz fög. Das fög untersucht im Rahmen seines Jahrbuches «Qualität der Medien» auch das Medien-Nutzungsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer und kam damals zum Schluss: «Podcasts werden in der Schweiz mittlerweile von 30% (der Bevölkerung) mindestens einmal pro Monat genutzt, mit grossen Altersunterschieden. Die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen nutzt monatlich mindestens einen Podcast, aber nur 21% der Personen über 55 Jahre.» 

Wer diese Zahlen aus dem Jahrbuch 2019 mit den Zahlen aus dem Jahrbuch 2020, welches im Herbst 2020 veröffentlicht wurde, vergleicht, kommt unweigerlich zum Schluss: Podcasts gewinnen in der Schweiz an Beliebtheit. So gaben nämlich nur ein Jahr später bereits 32% aller für die Studie befragten Personen an, dass sie im vergangenen Monat einen Podcast gehört haben. Noch deutlicher ist das Wachstum bei den unter 25-Jährigen, 60% hörten monatlich mindestens einen Podcast. Dies entspricht einer Zunahme von einem Fünftel innerhalb eines Jahres. 

Mehr als die Hälfte der Menschen, die sich in der Schweiz Podcasts anhören, tun dies unter anderem, weil sie finden, Podcasts seien praktisch, um Informationen aufzunehmen, und sie seien zudem unterhaltsamer als andere Medienkanäle. Zudem schätzt fast die Hälfte aller Podcasthörer*innen die breite Auswahl der Themen, die ihnen Podcasts bieten, und finden, dass sie dank Podcasts ein besseres Verständnis bestimmter Themen bekommen. 

Podcasts werden von ihren Hörer*innen also geschätzt, weil sie unter anderem auch komplizierte Themen spannend, unterhaltsam und einfach vermitteln können. So würde in der Schweiz bestimmt auch ein Podcast über die nicht so einfache und philosophische Frage mit dem umfallend Baum im Wald und dem Geräusch, das es mal gibt und mal nicht, Zuhörer*innen finden. 

Quellen: SRF Studie 2019, fög Jahrbuch 2019 Qualität der Medien, fög Jahrbuch 2020 Qualität der Medien, Edison Research

Autor: Peter Hanselmann

Peter Hanselmann

Peter ist Geschichtenerzähler aus Leidenschaft. 2008 machte er seine Leidenschaft zum Beruf und arbeitete als Moderator und Redaktor bei Radio Liechtenstein, Radio 24 und Radio Top. Nach einem Abstecher zu Film und TV macht er bei der Podcast-Schmiede nun wieder das, was er am besten kann: Geschichten erzählen.