Titelbild Studienticker 2026

2026 - Studien, News und Updates aus der Podcastwelt

Teambilder Andrea Andrea Blatter, 3.8.2026
Titelbild Studienticker 2026

An dieser Stelle findet ihr regelmässig Studien und andere Nachrichten, die die Podcastwelt so umtreiben. Viel Vergnügen beim Stöbern!

August

Schweizer Zahlen: Podcasts erreichen zwei Drittel der Bevölkerung

Ende August ist der IGEM-Digimonitor 2026 erschienen, die jährliche Mediennutzungsstudie von IGEM und WEMF. Befragt wurden im Frühling 1'957 Personen, die Ergebnisse sind repräsentativ für die internetnutzende Schweizer Bevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren, also für rund 6,4 Millionen Menschen.

Für uns die relevanteste Zahl: 65 Prozent hören mindestens gelegentlich Podcasts, also etwa 4,2 Millionen Personen. Besonders stark vertreten sind Menschen mittleren Alters, und in der Deutschschweiz wird häufiger gehört als in der Romandie und im Tessin. 11 Prozent hören jeden Tag Podcasts.

Beim Audio insgesamt zeigt sich eine deutliche Verschiebung: Täglich werden über alle Audio-Angebote hinweg 80 Prozent der Bevölkerung erreicht, aber der tägliche Radiokonsum ist seit 2024 von 52 auf 45 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig hören 60 Prozent täglich Musik oder Radio über Streaming-Dienste. Spotify ist dabei der wichtigste Anbieter.

Was das für Unternehmenspodcasts heisst: Das Publikumspotenzial ist da, quer durch die Schweiz. Der tägliche Hörplatz gehört aber noch immer Radio und Musikstreaming. Wer regelmässig gehört werden will, braucht einen verlässlichen Rhythmus, ein wiedererkennbares Format und aktive Promotion, nicht nur eine gute erste Folge und dann gähnende Leere im Feed.

Spotify testet einen Knopf zum Überspringen von Werbung

Anfang August hat Podnews aufgedeckt, dass Spotify in den USA eine Funktion namens „Skip Ahead" testet: einen Button, der bei Werbung und Sponsoring-Botschaften in Podcasts erscheint und Hörer:innen einlädt, den Abschnitt zu überspringen. Die Werbung wird weiterhin ausgeliefert, nur eben nicht unbedingt gehört. Aufgetaucht ist der Button auch bei Werbung, die Spotify selbst verkauft hat, und bei Passagen, in denen Hosts über ihre eigenen Bezahlangebote sprechen.

Die Reaktionen waren entsprechend heftig. Crooked-Media-Gründer Tommy Vietor warf Spotify öffentlich vor, die Podcastbranche kaputtmachen zu wollen.

Zwei Wochen später hat Spotify gegenüber Podnews präzisiert: Podcastwerbung sei nicht unüberspringbar, ein Fehler habe in einem Beispiel den regulären 15-Sekunden-Sprung ausgeblendet und sei behoben worden. „Skip Ahead" werde separat mit einem Teil der Premium-Abonnent:innen getestet.

Für Corporate Podcasts, die durchwegs gebrandet sind, ändert das direkt wenig. Für alle, die Podcastwerbung buchen oder verkaufen, ist es aber eine gute Erinnerung: Host-read FormateDie Hosts eines Podcasts lesen die Werbung selber frei und authentisch ein.
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, die wirklich Teil der Sendung sind, überstehen einen Skip-Button deutlich besser als ein abgesetzter Werbeblock.

Wenn Plattformen mitten im Jahr ihre Kennzahlen ändern

Seit dem 24. August zählt YouTube einen öffentlich sichtbaren „View" ab dem ersten Frame – also praktisch ab dem Moment, in dem ein Video zu spielen beginnt. Die öffentlichen Zahlen werden dadurch deutlich grösser und gleichzeitig weniger aussagekräftig, weil schon eine Sekunde zählt.

Die vergleichbarere Kennzahl „engaged views" bleibt für Creator:innen im YouTube Studio verfügbar, verschwindet aber von öffentlichen Seiten und aus der öffentlichen Data API. Externe Ranker und Datenanbieter verlieren damit den Zugriff. (Podnews)

Erst im Juli wurden die AMP Accords veröffentlicht, die eine branchenweit einheitliche Definition eines „Play" vorschlagen. Kurz gesagt: Die Branche diskutiert über gemeinsame Standards, während einzelne Plattformen ihre eigenen Zahlen weiter verschieben.

Beim Reporting ist deshalb bei der Metrik der "Plays" jeweils etwas Vorsicht geboten.

Video: mehr Bildschirm, aber auch mehr Audio-Downloads

Edison Podcast Metrics meldet, dass 13 Prozent der wöchentlichen US-Podcast-Nutzer:innen Podcasts am häufigsten am Fernseher konsumierend. Es ist die logische Folge davon, dass immer mehr Shows auf YouTube, Netflix und ähnlichen Plattformen landen. (Podnews)

Interessanter für die meisten unserer Kund:innen ist aber ein anderer Befund: Video scheint dem Audio zu helfen, statt es zu kannibalisieren. Buzzsprout hat Mitte August Zahlen veröffentlicht, wonach über 11'000 Video-Episoden über die Plattform auf Apple Podcasts live sind. Bei 562 etablierten Shows lagen die Apple-Podcasts-Downloads nach dem Start einer Videoversion im Median 19 Prozent höher als davor.

Dazu passt, dass im August weitere Hosting-Anbieter nachgezogen haben, zum Beispiel RSS.com, das Video über HTTP Live Streaming auf Apple Podcasts bringt, inklusive Werbeerlösen.

Aber einmal mehr: Das heisst nicht, dass jede Folge eine aufwendige Videoproduktion braucht. Es heisst, dass eine einfache Videoversion ein Audioformat zusätzlich auffindbar machen kann. Die Entscheidung bleibt dieselbe wie immer: Was passt zum Inhalt und zur Zielgruppe?

KI: Der EU AI Act ist in Kraft

Seit dem 3. August gilt der EU AI Act. Für Audioproduktionen ist vor allem Artikel 50 relevant: Er verlangt eine klare Offenlegung, wenn KI eingesetzt wird, um Audio- oder Videoinhalte zu generieren oder zu manipulieren.

Die Fachpresse hat rasch präzisiert, was damit nicht gemeint ist: Entrauschen, Audioreparatur und KI-gestützte Schnittwerkzeuge fallen nicht darunter. Gemeint ist der Fall, in dem ganze Sätze erzeugt werden, die eine Stimme nie gesprochen hat. Was vor dem 3. August produziert wurde, muss nicht nachträglich gekennzeichnet werden. Die Bussen können sehr hoch ausfallen. (Podnews)

Für Schweizer Produktionen gilt: Die Schweiz ist nicht Teil der EU, aber die Regeln greifen, sobald Inhalte in der EU konsumiert werden – was bei offen verbreiteten Podcasts praktisch immer der Fall ist. Deshalb lohnt sich eine klare Entscheidung schon in der Konzeptphase. 

Technik: neuer Tischarm von RØDE

Zum Schluss noch etwas Handfestes: RØDE hat am 25. August den DS3 vorgestellt, den Nachfolger des DS2. Er trägt bis zu 1,5 Kilogramm und damit auch schwerere XLR-Mikrofone, Kameras oder Leuchten. Ein integrierter Kugelkopf erlaubt praktisch geräuschlose Anpassungen während einer laufenden Aufnahme, und statt einer Tischklemme sorgt ein beschwerter Standfuss dafür, dass der Arm überall auf einer ebenen Fläche stehen kann.

Der DS3 kostet 109 US-Dollar und ist in Schwarz sofort verfügbar, Weiss folgt.

Juli

KI, neue Standards und volle Aufmerksamkeit

Kaum ein Thema beschäftigt die Podcastbranche derzeit so stark wie künstliche Intelligenz. Im Juli gab es gleich mehrere Meldungen, die zeigen: KI wird nicht nur als Produktionshilfe eingesetzt, sondern beginnt auch die Erwartungen an Audioqualität und Personalisierung zu verändern.

Besonders spannend war eine Untersuchung von Edison Research im Auftrag von Spoken. In der Studie wurden über 1'000 US-amerikanische Hörbuchnutzer:innen getestet, die Ausschnitte aus einer klassischen menschlichen Produktion und einer KI-basierten Mehrsprecher-Narration hörten.

Das Ergebnis sorgt für Diskussionen: Bei fiktionalen Geschichten bewerteten viele Teilnehmer:innen die KI-generierte Mehrsprecher-Version sogar besser als die menschliche Einzelsprecher-Version. Gleichzeitig zeigte die Studie, dass viele Hörer:innen den Unterschied zwischen menschlicher und KI-basierter Stimme kaum erkennen konnten. (Podnews)

Die wichtigste Erkenntnis daraus: Für das Publikum scheint weniger entscheidend zu sein, wie eine Stimme entsteht – sondern ob das Erlebnis hochwertig, glaubwürdig und emotional funktioniert.

Auch eine weitere Untersuchung von Azerion und Differentology beschäftigte sich mit KI-Stimmen in der Werbung. Dabei zeigte sich unter anderem, dass KI-generierte Stimmen mit regional passenden Akzenten besonders gut funktionieren können. Die Studie deutet darauf hin, dass Personalisierung und lokale Nähe wichtige Faktoren für Audio-Werbung bleiben, unabhängig davon, ob die Stimme menschlich oder künstlich erzeugt wurde. (Podnews)

Für Podcaster:innen bedeutet das: KI wird vermutlich nicht einfach menschliche Stimmen ersetzen. Vielmehr entstehen neue Möglichkeiten, etwa bei Übersetzungen, zusätzlichen Sprachversionen, Postproduktion oder der Entwicklung neuer Formate. Gleichzeitig bleiben Persönlichkeit, Vertrauen und eine klare Haltung zentrale Erfolgsfaktoren.

Podcast-Messung wird einheitlicher

Bisher hat praktisch jede Plattform Podcast-Erfolg anders gemessen: Was ein Download ist, was als "gehört" zählt, wie ein Werbekontakt gezählt wird. Das macht es für Werbekund:innen schwierig, Kampagnen über verschiedene Plattformen hinweg zu vergleichen. Im Juli gab es dazu zwei wichtige Entwicklungen:

Das IAB Tech Lab (eine Standardisierungsorganisation der Digitalwerbung) hat eine überarbeitete Version seiner technischen Messrichtlinien vorgestellt. Neu wird zum Beispiel klarer geregelt, wie Video-Podcasts gezählt werden sollen, ein Bereich, der bisher kaum geregelt war. Die Richtlinien sind noch nicht fix, sondern liegen bis Mitte August zur öffentlichen Kommentierung vor.

Fast zeitgleich hat ein Bündnis aus Plattformen, Werbeagenturen und grossen Podcast-Playern (u. a. Spotify, SiriusXM und die Werbeagentur Oxford Road) die sogenannten AMP Accords veröffentlicht, ein komplett neuer Vorschlag, wie die ganze Branche Podcasts künftig einheitlich definieren und messen könnte. Zentral dabei: eine gemeinsame Definition, was überhaupt als "Podcast" zählt (auch bei Video), und eine neue einheitliche Kennzahl für Nutzung ("Play" = ab 30 Sekunden Hören oder Schauen).

Podcast-Werbung wächst, aber solange niemand sich einig ist, wie man Erfolg misst, zögern grosse Werbekund:innen mit Investitionen. Schätzungen gehen von über einer Milliarde Dollar an Werbegeldern aus, die deswegen aktuell zurückgehalten werden. Einheitliche Standards sollen mehr Vertrauen schaffen und Podcasts als Werbemedium professioneller machen.

Spotify macht Hören interaktiver

Auch bei den Plattformen zeigt sich ein klarer Trend: Audio wird persönlicher und dialogorientierter.

Spotify hat im Juli die Beta-Version von „Talk to Spotify“ angekündigt. Die neue Funktion ermöglicht es Nutzer:innen, per Sprache oder Texteingabe direkt mit Spotify zu interagieren und Empfehlungen, Hintergründe oder Informationen zu Musik, Podcasts und Hörbüchern abzurufen. (Spotify)

Für Podcasts könnte diese Entwicklung besonders spannend werden. Wenn Nutzer:innen künftig nicht mehr nur suchen, sondern direkt fragen können:

„Welche Podcasts erklären mir dieses Thema verständlich?“
„Welche Folge mit diesem Gast sollte ich zuerst hören?“
„Was wurde in dieser Episode diskutiert?“

verändert sich auch die Art, wie Inhalte entdeckt werden.

Für Creator:innen bedeutet das langfristig: Nicht nur Reichweite zählt, sondern auch die Struktur und Auffindbarkeit der eigenen Inhalte. Gute Titel, klare Beschreibungen und verständliche Inhalte werden wichtiger, wenn KI-basierte Systeme bei der Auswahl helfen.

Video-Podcasts bleiben ein Wachstumsthema

Die Grenzen zwischen Podcast und Videoformat verschwimmen weiter. Neue Branchenzahlen zeigen, dass immer mehr Menschen Podcasts nicht nur hören, sondern auch anschauen. Edison Research berichtete im Rahmen des „UK Podcast Consumer 2026“, dass Video-Konsum ein wichtiger Bestandteil des Podcastmarktes geworden ist und sich die Nutzungsmuster verändern. (Podnews)

Für Produzent:innen bedeutet das aber nicht zwingend, dass jede Podcastfolge künftig eine aufwendige Videoproduktion braucht. Vielmehr entstehen verschiedene Möglichkeiten:

  • Video als zusätzliche Reichweitenquelle
  • Kurze "Snippets" für Social Media
  • Hybride Formate, bei denen gewisse Episoden als Video produziert werden, andere als Audio

Der wichtigste Punkt bleibt jedoch: Das Format muss zur Zielgruppe und zum Inhalt passen.

Der Markt wächst – und wird vielfältiger

Neben Technologie und Plattformen zeigen auch aktuelle Marktanalysen: Podcasts bleiben ein relevantes Medium.

Der „Podcast Atlas“ von Sounds Profitable zum Beispiel beschäftigt sich mit der Entwicklung des Podcastmarktes und zeigt, wie vielfältig das Ökosystem inzwischen geworden ist, von unabhängigen Creator:innen über Medienhäuser bis hin zu Markenpodcasts. Die Studie belegt unter anderem einmal mehr, was schon viele vorher gezeigt haben: Podcasts geniessen unglaublich hohe Aufmerksamkeit von ihrem Publikum.

Und: Marken sollten die Wahl, ob sie in Video- oder Audiopodcasts Werbung machen möchten, von ihrer Zielgruppe abhängig machen. Nielsen hat Podcast-Hörer:innen und -Schauer:innen miteinander verglichen und kommt zu folgendem Schluss: 

Hörer:innen: Sind mit deutlich grösserer Wahrscheinlichkeit verheiratet, haben ein hohes Bildngsniveau und arbeiten Vollzeit. Sie sind meist vielbeschäftigt und verplant und konsumieren Audio als Nebenmedium. 

Schauer:innen: Sind eher Student:innen oder Schüler:innen, die sich ihre Tage flexibel einteilen können. Sie schauen sich Videopodcasts an, um eine direktere "Connection" zu den Hosts zu haben und schalten Podcasts an, wenn sie Zeit haben, sich hinzusetzen und zuzuschauen. 

Autor:in

Teambilder Andrea

Andrea Blatter

Andrea hat ihre Freude an Geschichten und Worten schon früh entdeckt, als Übersetzerin hat sie sie aber zuerst nur schriftlich zu ihrem Beruf gemacht. Bei der Podcastschmiede überträgt sie ihre Leidenschaft in die Audiowelt, um für alle Kund:innen genau die richtige Story zu finden. Als Executive Assistant unterstützt sie ausserdem unsere Geschäftsführerin.